Viele Frauen lassen sich manipulieren. Hier ist, warum.

Das sage ich selten so direkt.

Das Video, das mich geärgert hat

Kürzlich habe ich ein YouTube-Video gesehen. 35 Minuten. Ein Standbild des Trainers mit seiner KI-Stimme.

Und von der ersten bis zur vorletzten Minute gab es eine aufgebaute Aufzählung aller Dinge, die Frauen belasten, damit der Leidensdruck steigt, um etwas zu verändern.

Ich war wütend. Nicht wegen der Themen – ich kenne sie, ich arbeite seit über 30 Jahren damit. Sondern wegen der Kaltschnäuzigkeit der Methode. Und wegen der Tatsache, dass die Menschen, die dieses Video sehen, danach nicht freier sind.

Was Schmerzvergrößerung im Gehirn macht

Die Amygdala lügt nicht – sie reagiert

Das Alarmzentrum unseres Gehirns, die Amygdala, unterscheidet nicht zwischen dem, was du wirklich erlebst, und dem, was du dir mit hoher emotionaler Intensität vorstellst. Was du lebhaft fühlst, speichert sie als echte Erfahrung ab. Dieser Mechanismus ist gemessen, repliziert, belegt.

Wer dich durch einen Prozess führt, in dem du möglichst tief dein Versagen, deine Erschöpfung und deine ungünstigste mögliche Zukunft spürst – der schreibt diese Inhalte als reale Erinnerung in dein Gedächtnis. Es können mehr Alarmbereitschaft und tiefere Stressmuster entstehen.

Das nennt sich in Fachkreisen Pain Amplification. Und es funktioniert als Verkaufsmethode. Kurzfristig.

Ich war dabei: der Dickens-Prozess

Ende der 1980er, ein Seminar in den USA. Der Dickens-Prozess: Der Saal wurde verdunkelt, die Stimme des Trainers führte uns durch das schlimmste vorstellbare Leben in fünf Jahren, zehn Jahren, und länger, wenn man nichts ändert.

Ich habe geweint. Ich war aufgewühlt.

Meine Situation danach blieb identisch. Mein Nervensystem wurde einen Grad sensibler für den nächsten Alarm.

Ich mache es hier zum ersten Mal öffentlich, weil ich weiß, dass es einen anderen Weg gibt – ich hatte ihn zwei Jahre zuvor am eigenen Körper erfahren.

1987: Wie echter Wandel tatsächlich aussieht

Ein schwerer Autounfall. Zwei Fahrzeuge, die in mich hinein fuhren. Ich hatte von der Schädelbasis bis zum Steißbein Verletzungen. Kein Wirbel saß mehr, wo er sollte.

Mein Arzt, Dr. Ortner, entschied sich gegen eine Einweisung. Er sagte: Dort versaut man Sie nur.

Er behandelte mich mit Akupunktur, Chiropraktik – und einem Prozess, bei dem er mich in tiefer Entspannung Sitzung für Sitzung durch den Unfall hindurchführte. Ich zitterte. Ich weinte. Ich wand mich. Wieder und wieder.

Bis die Szene sich veränderte. Ich konnte sie sehen wie einen Film. Kein Zittern. Keine Enge. Keine Angst.

Fünf Monate nach dem Unfall war ich geheilt.

Was Dr. Ortner getan hatte, war das Gegenteil von dem, was ich später im Seminar erlebt hatte. Er hatte mich nicht tiefer in den Schmerz geführt. Er hatte mich hindurchgeführt. Das klingt wie ein sprachlicher Unterschied. Im Körper ist er fundamental.

2004: Phi Phi Island

Der Tsunami suchte die Küsten Thailands heim. Ich war dort und erlebte Trümmer, Leid, totale Unsicherheit. Und ich blieb ruhig.

Durch 17 Jahre praktizierten Übungen und das Auflösen von Traumata konnte ich bei mir bleiben. Diese Stille im Sturm war versetzte mich in die Lage, zu helfen, wo Hilfe notwendig war.

Was überlastete Nervensysteme sagen – und was sie brauchen

Die meisten Frauen, die zu mir kommen, sind nicht erschöpft, weil sie zu viel arbeiten. Sie sind erschöpft, weil ihr Nervensystem nicht mehr weiß, wie es abschalten soll. Es läuft im Alarmzustand – und kennt den Schalter nicht mehr.

Was dieses Nervensystem braucht: keinen weiteren Alarm. Keinen vergrößerten Schmerz. Sondern den Weg hindurch.

Das ist einer der Gründe, warum ich seit 35 Jahren tue, was ich tue. Weil ich den Unterschied kenne. Am eigenen Körper.

Weg-von-Motivation und das Niemandsland

Wer aus Schmerz herauswill, hat Energie. Das ist gut. Es ist der erste Schritt.

Aber wenn der Leidensdruck nachlässt – durch Zeit, durch äußere Veränderungen, durch Erschöpfung des Themas – und keine lebendige Richtung da ist, bleibt man stecken. Man ist nicht mehr verzweifelt. Aber auch nicht wirklich frei. Irgendwo Dazwischen. Ich nenne das Niemandsland.

Denn die andere Frage ist immer schwerer: Wo will ich wirklich hin? Was fühlt sich in mir lebendig an?

Diese Frage baut keinen Leidensdruck auf. Sie richtet die Aufmerksamkeit auf das, was möglich ist. Das ist neurobiologisch ein großer Unterschied.

Die Übung: Keine Einleitung, nur die Frage

Direkt

Lebe ich das Leben, das ich leben will?

Ja. Nein. In etwa.

Antworte sofort. Bevor der Verstand es schönredet.

Spür, was in deinem Körper passiert. Wo fühlst du es. Wie fühlst du es. Eng oder weit.

Und dann: Wo willst du wirklich hin?

Nicht was vernünftig ist. Was sich lebendig anfühlt.

Das reicht für heute.

Warum keine Problemliste davor

Ich hätte diese Frage vorbereiten können mit allem, was dich vielleicht belastet. Mit Erschöpfung, Unzulänglichkeit, der Angst, nicht zu reichen.

Das habe ich bewusst nicht getan. Denn das wäre dieselbe Methode, die ich gerade kritisiert habe. Eine Übung, die auf echter Orientierung basiert, braucht keinen aufgebauten Leidensdruck. Sie steht für sich.

Was ich tue und seit wann

Seit 1989 begleite ich Frauen und Unternehmer:innen durch das, was feststeckt. Meine Arbeit hat drei Schritte:

  • Sichtbarmachen: Zwei wissenschaftliche Analysen zeigen innere Haltung, Stressmuster, Vermeidungsstrategien – als Ausgangspunkt, nicht als Urteil.

  • Hindurchgehen: Das gefühlsmäßige Lösen an der Stelle, wo es feststeckt. Echter Durchgang, begleitet, sicher – kein Vergrößern, kein Umdeuten.

  • Aufbau: Wachsende Ausdauer, Geduld, Selbstwert, der nicht auf äußerer Bestätigung beruht.

    Das sieht nicht spektakulär aus. Es hat Bestand.

Was ich von diesem Markt halte – und was ich stattdessen anbiete

Manipulation im Coaching-Markt ist nicht immer böser Wille. Manchmal ist es Unwissenheit über das, was Methoden mit Nervensystemen machen. Manchmal ist es Geschäftsmodell.

Was mich trennt von dem Video, über das ich geschrieben habe, ist nicht, dass ich netter bin oder sanfter. Es ist, dass ich meine Klientinnen nicht in den Schmerz hineinführe, um sie käuflich zu machen. Sondern hindurch, damit etwas nachlässt.

Das ist kein ethischer Anspruch und dennoch entspricht es meinem Wertesystem. Denn ich möchte das machen, was wirklich wirkt.

Schau mein Video – Manipulation im Coaching:

Was Problemvertiefung im Gehirn anrichtet – und wie echter Wandel aussieht.

https://youtu.be/FW-reporybc

Wenn du jemanden brauchst, der dich nicht tiefer in den Schmerz führt, sondern hindurch – buch dir ein Gespräch.

Termin über meinen Assistenten Peter: https://link.nimsky.com/widget/bookings/abstimmung-mit-peter

In Verbundenheit, Beate 💙

Disclaimer: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche, psychologische oder rechtliche Beratung. Bei ernsthaften gesundheitlichen oder psychischen Beschwerden wende dich bitte an eine Fachperson deines Vertrauens.